Georg Kleber 

Zeichnung und Keramik

Eröffnung
Freitag, 8. März 2019, 20.00 Uhr

Ausstellungsdauer
8. März – 7. April 2019

Geöffnet
So 14 – 18 Uhr, Do bis Sa 21 – 24 Uhr
Eingang durch das Vereins-Lokal Neues Linda

Unter dem schlichten Titel „Zeichnung und Keramik“ bietet der Kunstverein Weiden Einblicke in das Werk des 1956 geborenen Augsburger Künstlers Georg Kleber.

Auf inhaltlicher Ebene reflektieren die Exponate, Darstellungen unterschiedlichster Klein-Gegenstände aus Natur und Handwerkswelt, die klassische Tradition des Realismus. Dabei wird unabhängig von Klebers realistischem Narrativ das handwerkliche Vermögen selber, über das der Künstler virtuos verfügt, zu einem gleichwertigen Thema.

Georg Kleber, der 1984 – 89 an der Universität Augsburg Kunstpädagogik studierte und 1990 – 95 Meisterkurse bei Helmut Rieger, Tim Ulrichs und Rudolf Schoofs belegte, ist seit 1988 freischaffender bildender Künstler. Neben seiner Tätigkeit als Zeichner, Maler und Bildhauer, tritt er als Veranstalter von Kunstkursen und als Autor kunstpädagogischer Bücher auf.

In seiner bildnerischen Arbeit setzt er Figur, Gestik und Farbfeld bzw Material spannungsvoll ins Verhältnis, wobei das gestische Moment, die malerische Ganz-Körper-Bewegung als Ausdruck des existentiellen Entwurfs und des menschlichen In-der-Welt-Seins als Körper tragende Qualität hat.

Dieses Muster, das sich auch als Mischung von körperlich intuitivem Bewegungsraum mit rational-geometrischer Raum-Architektur beschreiben lässt, tritt in der Keramik beispielhaft verknappt in Erscheinung.

Hier erfährt der Betrachter zwei Formen räumlicher Suggestion, die sich die Waage halten, im Spiel der malerischen, flächenräumlichen Arabeske, die sich zwischen Figur und Kalligraphie bewegt, und der realen Dreidimensionalität des keramischen Kegels.

Die zeichnerischen Exponate entwickeln sich inhaltlich noch weitgehender. Hier wird die Ausstellung zum Museum, in dem wir das Handwerkszeug als Erweiterung der menschlichen Organe kennenlernen. Der kleine Gegenstand aus Technik und Natur, dessen Größe sich zwischen der Größe von Wespen, Händen, Baustrahlern und Angelspulen bewegt, wird an diesem Ort geadelt.

Der Künstler zeigt zusätzlich zum rein graphischen Repertoire sachprägnant skizzierte und ausgeführte Ding-Ansichten, sie beinhalten einen renaissanceartigen, vielleicht auch kurvig jugendstilartigen Raumbezug, der uns mit Leonardo und Menzel und anderen verlinkt, diese Beispiele aus der Kultur des Naturstudiums integriert der Künstler in den ästhetischen Empfindungsraum seiner Zeichnungen, der auch deutlich lyrische Züge besitzt; er baut damit ein dialektisches Bedeutungs-Feld auf, in das sich der Mensch als Arbeiter und Benutzer der abgebildeten Geräte und als das biologische Wesen, das er selber ist, hineindenken lässt.

Die Ansammlung der Gegenstände ist zufällig, heterogen, Verbindung schafft die Kleinheit, die Zeichen sorgfältiger Betrachtung und der graphische Dreh, der jedes einzelne Ding-Portrait zur Metapher und zum Modell des Lebens-Räumlichen im Ganzen erweitert.

Dabei klingt aus dem Hintergrund des sensibel in seinen Hell-Dunkel- Valenzen ausgewogenen Ding-Panoramas und der kunstgeschichtlichen Betrachtung die alte Polarität unserer Kultur heraus:

Arbeit als menschliche Selbst-Entfremdung und als der repressive Prägestempel des menschlichen Körpers, und: Arbeit als der gesellschaftliche Rahmen individueller Selbstverwirklichung, in dem es dem einzelnen möglich ist, so das berühmte Marx-Zitat, " morgens zu jagen, nachmittags zu fischen, abends Viehzucht zu treiben, nach dem Essen zu kritisieren wie ich gerade Lust habe, ohne je Jäger, Fischer, Hirt oder Kritiker zu werden".

 

Wolfgang Herzer