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VIERZIG JAHRE
FLUXUS
Joseph Beuys,
Dieter Roth, Emmett Williams, Al Hansen, Nam June Paik, Milan Knizak
u.a Kurator: Jürgen
Schweinebraden
30.8. - 13.10.
2002 Eröffnung
Fr. 30.8.2002 19
Uhr Altes Rathaus
- Klavierkonzert Claudia Birkholz: John Cage, sonatas and interludes
for prefared piano 21.00 Uhr Kunstverein -
Gunnar Brandt, Tenor, singt John Cage
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Fluxus
lebt, ist im 40. Jahr seiner Entstehung ebenso wahr,
wie im öffentlichen Bewusstsein zugleich unsichtbar.
Seine
innere Verwandtschaft mit "UNSEREM" Oberpfälzer
Avantgarde-Beitrag "Gruppe Spur", deren Mitglieder als
"Spaßguerrilleros" in den Sechziger Jahren Schwabing
verunsicherten und deren Polit-Protagonist Kunzelmann
das Berlin der Studenten-Bewegung maßgeblich inspirierte,
macht aus dieser Ausstellung fast eine Familienfeier
und eine Wurzelbehandlung im Geiste!
Außerdem
wird der Kunstverein Weiden den runden Geburtstag in
Zusammenarbeit mit den Weidener Max-Reger-Tagen, der
Dauer-Hommage an einen Unbequemen unserer Stadt, begehen,
die unter dem Motto "Aufbruch in die Moderne" John-Cage
Interpretationen der Pianistin Claudia Birkholz und
des Tenoren Gunnar Brandt zur Vernissage beisteuern
werden.
Angetreten,
um gegen den Geist künstlerischer Ve-krustung,
gegen die Vereinnahmung der abstrakten Kunst durch Ideologien
zu revoltieren und im Gefolge von DaDa(ismus) Geist,
Spiel und Lust auch in der Kunst wieder zu Ansehen zu
verhelfen, schlossen sich ab 1962 mit Ausgangspunkt
Wiesbaden Einzel-personen in loser Form zu einer global
agierenden Gruppe Gleichgesinnter zusammen. Was bei
all ihren Unternehmungen bis heute herausgekommen ist,
verbindet eines: es ist bewußt ungeordnet, antiautoritär,
individualistisch, chaotisch und oppositionell. Inseln
selbstinduzierter, kontrollierter Verrücktheit
im Mahlstrom einer technischen Vernunft, die außer
Kontrolle geraten zu sein scheint.
Konsequenterweise
bewegte man sich dabei auf allen Feldern künstlerischer
Manifestationen: neben der bildenden Kunst auch auf
dem Feld der Literatur, des Theaters und vor allem der
Musik. Bei musikalischen Darbietungen gab es hin und
wieder eine in einer groben Partitur festgehaltene Struktur
- an die sich jedoch letztlich kaum jemand gebunden
fühlte.
Fluxus
war greifbar nur im Augenblick des Ge-schehens, der
Inszenierung, des Spielens, des Dialoges zwischen Künstlern
und Betrachtern, die meist zu Mitakteuren wurden. Der
Baustoff dieser "Kunstwerke", deren markanteste Rahmendaten
Prager Frühling und Vietnamkrieg (Vostell)
bildeten, war die Fülle intensivierter Lebenszeit,
ein Kapital, das sich eben nicht akkumulieren, sondern
im Sinne Batailles nur verschwenden lässt.
Was
blieb, waren wenige Dokumentationen, auch einige materielle
Hervorbringungen; häufig sind diese nur im Besitz
von Sammlern zu finden, die zumeist Besucher solcher
Events waren oder deren Kollektionen sich aus der persönlichen
Freundschaft zu den Künstlern / Akteuren entwickelten.
Der Raritäten- Charakter dieser "Kunstwerke",
der auch daher rührt, daß sich die Künstler
selbst der Vereinnahmung durch die Museen widersetzten
bzw. sich dieser absichtsvoll entzogen, wirft ein bezeichnendes
Licht auf Fluxus. Fluxus war - und ist - vor allem
eine Lebens- und Gemeinschafts-Haltung, wie sie sich
in einer extremen Form z.B. in der "Sozialen Plastik"
von Joseph Beuys manifestierte. Ihre marktbezügliche
Askese ist noch heute, in der Ära des Total- Marketings,
im Bewusst-sein und der Arbeit einiger Künstler
durchaus präsent.
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 Milan
Knizak, Destroyed Music, 1963
 Robert
Filliou, Frozen Exhibition, 1962
 Emmett
Williams, Alphabet-Symphony, 1962
 Jo
Jones, Birdcage, 1964
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So
ist es auch Konzept dieser Ausstellung, neben einigen
Objekten der Hochzeit von Fluxus (Anfang der 60er bis
Ende der 70er Jahre), als historischer Reminiszenz,
Stücke zu präsentieren, die den Geist und
die Haltung von Fluxus in der Gegenwart verdeutlichen
sollen und können. Spröde sind sie und zugleich
hintersinnig wie eine Valentin'sche Sentenz.
Als
1962 auf dem Wiesbadener "Festival für Neueste
Musik" fünf Männer, darunter der Spiritus
Rector, der Amerikaner George Macunias, den Gedanken,
neue Klangräume zu öffnen, wörtlich nahmen
und ein Klavier zersägten, schienen für die
breitere Öffentlichkeit nur all die Befürchtungen
wahrzuwerden, daß nach Kaugummi und Coca Cola
noch Schlimmeres aus Amerika kommen würde.
Doch mittlerweile genießt diese brachiale Aufkündigung
des klassischen waren- und werkgestützten Kunstbegriffes
die Anerkennung als einer Art künstlerischen TÜVs
und ist zum Gegen-stand der Schulbücher geworden.
Ihre "Souvernirs", die, wie Bill Ramsey in den 60ern
sang, "das Salz in der Lebenssuppe " sind, machen eine
Philosophie des engagierten Andersseins deutlich. Diese
gibt dem ge-zielten Chaos in der Gesellschaft eine friedliche
Chance, ohne "Kulturrevolutionen", die nur Chaos hin-terlassen,
das Wort zu reden. In den Fluxus-Objekten begegnet der
Betrachter Äußerungen einer Bewe-gung, die
die Individualität des ungehorsam wachen Geistes
immer wieder in die Opposition zu den vorgestanzten
Ich-Klischees der Konsumwelt setzt.
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 Ludwig
Gosewitz, When this Wolf
Vostell, you see remember me, 1966
Erbsentennisdampfschuh, 1967
 Wolf
Vostell, Prager Brot, 1968 Jo
Jones, Flux Gitarre, 1968
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 Robert
Filliou, Telepathische Musik Nr.2, 1973
 Milan
Knizak, Ein fliegendes Buch, 1970
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